Diese kleine Beitragsreihe widmet sich verschiedenen Beachvolleyball-Teams, die in dieser Saison auf unterschiedlichen Turnierserien ihre Performance in den Sand bringen.
Der erste Teil begleitet das Team Sandra Ittlinger & Anna-Lena Grüne auf ihrer Reise von der Copacabana über Ostrava bis zum letzten Tanz. Dazu werden typische Spielsituationen im Rahmen der Elite16-Turnierserie der Volleyball World Beach Pro Tour unter dem mentalen Aspekt VERTRAUEN & FÜHRUNG analysiert.
[veröffentlicht im Volleyball Magazin 07/2026, S. 34-36, Autorin Maria Senz, Fotos: volleyballworld]
Mentale Spielanalyse: Ittlinger/Grüne

VERTRAUEN & FÜHRUNG

Führung beginnt mit physischem und/oder psychischem an die Hand nehmen. Diese einladende Geste bringt das Innere nach außen. Beim Spieler selbst oder beim Spielpartner. Das Innere kann Handlung, Emotion oder Gedanke sein. Dabei braucht es Offenheit, sich führen zu lassen. Diese Offenheit entsteht, wenn gegenseitiges Vertrauen spürbar ist und der Athlet sich führen lassen möchte (Freiwilligkeit). Vertrauen braucht Verbindung.
In Summe ein fortwährender Wachstumsprozess: anfangs zwei separierte Persönlichkeiten, die sich im Laufe der Zeit annähern und Berührungspunkte sammeln. Eine Beziehung eingehen. Ein Team bilden. Sich verbinden.

DREI EBENEN DER FÜHRUNG

Führung im Beachvolleyball beginnt nicht mit dem Führen auf der Anzeigetafel, sondern mit dem Führen des eigenen inneren Zustands – Selbstführung.
Ein innerer Prozess der Selbststeuerung, der sich auf Teamführung und schließlich auf Spielführung auswirkt.

(1) SELBSTFÜHRUNG

Wie kann der Athlet seinen inneren Zustand selbst regulieren, statt von ihm reguliert zu werden?
HS 1: Wahrnehmen + Akzeptieren
HS 2: Aufmerksamkeit zurückführen
Selbstführung im Beachvolleyball heißt, unter ständig wechselnden äußeren Bedingungen (Gegner, Court, Publikum, Spielstand) immer wieder zu sich selbst und der eigenen Choreografie zurückzufinden – um von dort aus das Spiel zu gestalten.
Das Brasilien-Spiel gegen Duda/ Ana Patrícia auf dem Center Court ist ein schönes Beispiel hierfür: Wenn Gegner, Publikum, Atmosphäre es schaffen, den Athleten aus seinem Konzept zu bringen, wird das Außen riesengroß und der Athlet winzig klein. Die mentale Aufgabe hierbei ist, das Außen wertfrei anzunehmen, ohne sich von ihm definieren zu lassen.
Denn der Court bleibt 8 x 8 Meter. Der Ball bleibt rund. Und das Spiel-Repertoire bleibt auch abrufbar.

(2) TEAMFÜHRUNG

Wie kann der Athlet seinen Spielpartner unterstützen?
HS 1: Beruhigen und Stabilisieren
HS 2: Verantwortung übernehmen
Teamführung bedeutet, Verantwortung für die eigene Handlung übernehmen, das kommunikativ deutlich machen und die Aktion entsprechend durchziehen.
Sandra und Anna verlassen sich gelegentlich zu sehr auf den anderen. Und damit sind sie beide verlassen. Klare Absprachen treffen und klar definierte Verantwortungsräume minimieren, dass der Ball auf der eigenen Feldhälfte in den Sand fällt.

(3) SPIELFÜHRUNG

Welche Choreografie bringen wir als Team in den Sand, damit der Gegner das tut, was wir wollen?
HS 1: Haltung einnehmen
HS 2: Führung übernehmen
HS 3: Führung behalten
Sich als Team vor einem Spiel bewusst machen und klar aussprechen, mit welcher inneren Haltung der Sand betreten wird, aktiviert Selbstvertrauen und trägt das Spiel von Anfang bis Ende in genau dieser Energie.
Die wohl größte Challenge ist die Führung zu behalten. Denn hier verlagert sich die Spielaufgabe vom Aufholen hin zum Verteidigen. Nun gilt es den Vorsprung zu halten und das Spiel aktiv bis zum Ende selbst zu gestalten – ein neues Drehmoment.

DER LETZTE TANZ

Am 19. Juni gaben Sandra und Anna ihre Auflösung als Beachvolleyball-Team bekannt. Den letzten Tanz führen sie in der heimeligen Sandkiste zur German Beach Tour Berlin 2 auf und veredeln ihre Geschichte mit Silber.
Gewachsen durch bewegende Beachvolleyballerlebnisse führen sich beide nun mit neuen Partnern durch den Sand. Und der Prozess beginnt von vorne: zwei separierte Persönlichkeiten, die sich im Laufe der Zeit annähern und Berührungspunkte sammeln. Eine Beziehung eingehen. Ein Team bilden. Sich verbinden.

[vollständiger Artikel incl. Beispielen und Fotos im Volleyball Magazin 07/2026, S. 34-36, Autorin Maria Senz, Fotos: volleyballworld]

Beach Pro Tour Ostrava Teil 2

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