„Wir liegen im zweiten Satz weit hinten und haben den ersten Satz bereits verloren. Wie schaffe ich es, mich aus dieser unendlichen Tiefe wieder nach oben zu schmettern?“
Meine Beobachtungen bei einem kürzlich stattgefundenen Beachvolleyballevent [Werbung: Ein fettes Dankeschön an die New Beach Order] in Düsseldorf:
Du bist ein top Spieler mit technisch, taktisch & strategisch klugen Spielzügen. Eigentlich… und nach einer 1:0 Niederlage und einem Rückstand von 14:8 im zweiten Satz fühlst du dich so klein, dass du weder Netz, noch sandigen Boden, noch Ball siehst. Dein Kopf rattert auf Hochtouren. Anstelle von Lösungen spuckt er nur Vorwürfe aus: Wie kannst du nur? Was ist los mit dir? Wie tief willst du noch sinken? Und so weiter… Und dann ist da noch der Gegner mit seinen nervigen Sprüchen, Eigenapplaus und Jubelschreien. Du wünschst dir eine STOPP-Taste, den Halt-die-Fresse-Lachs, den Schweige-Fuchs und am besten alles gleichzeitig! Alles soll einfach nur still sein. Du brauchst gerade deine Ruhe, damit du dich konzentrieren und fokussieren kannst. Nur so kannst du dein Beachvolleyballkönnen wieder abrufen, fühlen und loslegen.
Wie schaffst du das?
Du kennst dieses oder ähnliche Szenarien von dir? Dann stelle ich dir im Folgenden einen möglichen Ansatz zum Umgang mit derartigen Situationen vor.
Das Schöne an deiner Situation: du fühlst aktuell nur so… Du bist es nicht! Mach dir das erstmal ganz bewusst: es ist nur ein Gefühl von dir, was momentan die Führung übernommen hat.
Sobald du aus einem Spiel/ Turnier mit genau dieser beschriebenen Situation gehst, halte kurz inne und probiere Folgendes aus:
  1. Mach dir das Gefühl greifbar: Wie sieht es aus (Farbe, Form, Größe,…)? Welches Geräusch gibt es von sich (laut/ leise, schrill/ dumpf,…)? Wenn du es in die Hand nehmen könntest, wie fühlt es sich an? Welchen Geschmack verbindest du mit dem Gefühl? Welchen Geruch verbindest du mit dem Gefühl?
  2. Betrachte dieses Gefühl als einen Persönlichkeitsanteil von dir mit einer positiven Absicht. Was ist die positive Absicht?
  3. Gib dem Gefühl einen Namen/Titel/… – da dir diese Situationen bereits bekannt sind, wirst du recht flink ein passendes Wort finden.
  4. Begrüße das Gefühl einladend, so dass ihr in Kooperation treten könnt.
  5. Erkläre dem Gefühl, dass du künftig die Führung übernehmen möchtest und du dankbar für jegliche Unterstützung seitens des Gefühls bist.
  6. Teile dem Gefühl deine konkrete Botschaft und dein Vorgehen mit.
  7. Welche Körperbewegung geht mit dieser Botschaft einher?
  8. Wiederhole nun diese Botschaft laut und verbinde sie direkt mit deiner Körperbewegung (mind. 3x, ggf. vorm Spiegel)!
  9. Zusätzlich kannst du dir dein Vorgehen speichern, so dass es im entscheidenden Moment leichter abrufbar ist. Zum Beispiel direkt an deinem Körper oder in einem Talisman, den du im Spiel dabei hast.
Ein Beispiel: „Hallo liebe Beschützerin, schön, dass es dich gibt und ich mich auf dich verlassen kann. Ich schätze dich sehr. Gleichzeitig möchte ich, dass es heute anders läuft. Schau gerne zu und vlt kannst du auch noch was lernen. Heute werde ich die Führung übernehmen und selbstbewusst, stabil und sicher meine Aktionen im Spiel umsetzen. Ich kann das!“
Und jetzt heißt es üben üben üben wie im regulären Training: Du hast heute dein Gefühl zum ersten Mal persönlich kennengelernt. Erlaube euch Zeit und Ehrenrunden zum Ausbau eurer Kooperation. Es ist, wie so vieles in unserem Leben, ein Prozess, der Wiederholungen, Anpassungen und Akzeptanz braucht. Sei geduldig mit dir – vielleicht wird’s viel leichter. Und üben heißt, nutze alle möglichen Situationen in deinem Leben, wo sich dieses Gefühl anbahnt. Am besten von alltäglich zu speziell. So bleibst du im Flow. Und wenn du dann wieder in der Sandkiste stehst und das Gefühl meldet sich zu Wort, nutze die Auszeit, um in Kooperation zu gehen, so dass du die Führung beibehältst. Bedenke: es ist ein Prozess, der durch Anwenden und Üben zur Routine wird. Viel Spaß dabei…
[Beitrag auch verfügbar in den Sozialen Medien: LinkedInInstagram, Facebook & Die Sportpsychologen]